Wenn Weihnachten zur Beziehungsprobe wird

Die Weihnachtszeit ist häufig mit nostalgischem Denken verknüpft. Vor dem inneren Auge tauchen Bilder vom perfekten Festessen und wohlüberlegten Geschenken unter dem strahlenden Tannenbaum auf. Wohl jeder wünscht sich ein harmonisches Fest und ein gemütliches Zusammensein mit den Lieben. Doch wieso kommt es dann gerade zu Weihnachten häufig zu Beziehungskrisen?

Mit den Ansprüchen nimmt auch die Fallhöhe zu

Bereits in der Vorweihnachtszeit beginnt für die meisten der Stress. Die Planung und eine Vielzahl von Verpflichtungen werfen die Alltagsroutinen durcheinander. Während der meist ohnehin schon hektischen Wochentage wollen jetzt auch noch Geschenke gekauft, die Wohnung geschmückt und der Ablauf der Weihnachtstage gut durchgeplant werden. Daher sehnen sich viele bereits schon vor dem Weihnachtsfest danach, dass dieses schnellstmöglich wieder vorbei ist.

Stellen Sie dabei zu hohe Ansprüche an sich selbst, tun Sie weder sich noch Ihrem Partner einen Gefallen. Denn wenn Sie nur noch über die Perfektionierung der Dekoration, die optimalen Geschenke und ein möglichst ausgefeiltes Festessen grübeln, setzen Sie sich nicht nur selbst unter Druck. Auch Ihre Beziehung leidet darunter. Denn bereits das Streben nach Perfektionismus birgt ein großes Konfliktpotenzial in sich: Es setzt Sie unter Zeit- und Leistungsdruck. Und unter Druck leidet die Stimmung. Wenn Sie also eh schon gereizt sind, kann die geringste Banalität zur Beziehungskrise führen. Von vorweihnachtlicher Besinnlichkeit fehlt dann jede Spur.

Streitpunkte in der Partnerschaft

Da jeder mit anderen Traditionen aufgewachsen ist, kommt es bei beiden Partnern zu unterschiedlichen Vorstellungen über das Weihnachtsfest. Um Reibereien zu vermeiden, besprechen Sie deshalb ihre Bedürfnisse und Vorstellungen. Kompromisse sind dabei nötig, damit kein Partner zu kurz kommt.

In dem ganzen Vorbereitungsstress ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Partner sich manchmal übersehen fühlt. Auch ein Gefühl der Überforderung kann sich bei ihm schnell einstellen, wenn Sie nicht nur an sich, sondern auch an ihn zu hohe Erwartungen haben. Obwohl es sich bei Weihnachten um das Fest der Liebe handelt, kommt diese oft zu kurz. Nicht nur die gemeinsame Zeit als Paar nimmt ab, sondern auch der Sex. Stress ist bekanntlich ein Lustkiller und die Flaute im Bett kann sich zusätzlich negativ auf die Beziehung auswirken. Daher ist es wichtig, dass Sie sich bei all der Planung dennoch immer wieder Pausen für sich selbst und für die Zweisamkeit einräumen. Weniger Stress entspannt die allgemeine Stimmung und auch die Lust auf Sex kann wieder aufkeimen.

In der Weihnachtszeit die Bedürfnisse des Partners zu berücksichtigen, kann besonders Eltern schwerfallen. Sie möchten Ihren Kindern ein wundervolles Weihnachtsfest bescheren und verlieren sich dabei wieder in perfektionistischen Vorstellungen. Allerdings sollten Sie bedenken, dass Kinder an der idealen Tischdekoration oder einem optimal durchgetakteten Besuchsmarathon gar nicht sonderlich interessiert sind. Für sie zählt vor allem ein harmonisches Fest, das ihnen Raum zum Spielen und Zeit mit ihren Eltern bietet. Daran werden sie sich lieber zurückerinnern als an ein vermeintlich „perfektes“ Fest, an dem ihre Eltern allerdings gestresst und streitlustig waren.

Geschenke können sich leider auch zu einem Streitpunkt entwickeln. Auch hier spielen die Erwartungen wieder eine wichtige Rolle. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass der Partner Ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen und somit auch immer das ideale Geschenk aussuchen kann. Niemand kann Gedanken lesen. Wenn Sie Ihre Wünsche nicht klar äußern, ist ein Fehlgriff beim Geschenkekauf nicht ausgeschlossen. Das hat nichts mit fehlender Liebe zu tun und ist kein Grund für einen Streit. Es sind schließlich nur materielle Güter. Sehen Sie lieber das Geschenk als Zeichen der Wertschätzung. Dieses hat seinen Zweck bereits erfüllt, wenn es dem Beschenkten übergeben wurde. Was der Beschenkte letztendlich damit anfängt, ist diesem überlassen. Also freuen Sie sich über ein Geschenk und zeigen Sie sich dankbar für die Geste, selbst wenn Ihnen das Präsent nicht zusagt. Nach der Übergabe ist das Geschenk Ihr Besitz und sie haben die freie Wahl, was Sie damit anstellen. Den Kassenzettel aufzubewahren, ist daher keine schlechte Idee.

Die lieben Verwandten

Wird die Planung der weihnachtlichen Familienbesuche für Sie jedes Jahr wieder zum Streitpunkt? Damit sind Sie nicht allein. Alle Besuche unter einen Hut bringen zu wollen, ist ein kompliziertes Unterfangen. Außerdem sind Familienverhältnisse nie frei von Spannungen. Je größer die Verwandtschaft, desto mehr Streitpotenzial versammelt sich am weihnachtlich geschmückten Esstisch. Es treffen unter Umständen Menschen aufeinander, die sich nicht besonders leiden können. Da ist es nicht unwahrscheinlich, dass jemand einen Streit vom Zaun bricht. Dieser Fall kann besonders in Verbindung mit Alkohol auftreten. Bekanntlich hebt dieser ja nicht nur die Stimmung, sondern lockert auch die Zunge…

Klären Sie daher mit Ihrem Partner ab, wie Sie die Verwandtenbesuche am besten regeln können. Machen Sie sich zusammen Gedanken darüber, wo die Besuche stattfinden sollen. Haben Sie gern die ganze Familie bei sich zu Hause? Oder wollen Sie lieber ihre Verwandten besuchen und danach in die Ruhe des eigenen Heims zurückkehren? Wenn Ihre Mutter oder Schwiegermutter die Angewohnheit hat, bei Ihnen zu Hause direkt das Ruder in die Hand nehmen zu wollen und ihre Planung durcheinanderbringt, wäre ein Restaurantbesuch auch eine Alternative. Sie sparen sich die vielleicht ungewollte Arbeit mit dem Festessen und wenn jemand am Essen etwas auszusetzen hat, kann es Ihnen egal sein. Sollten Sie selbst das Essen zubereiten, sprechen Sie ruhig aus, wie Sie die Einmischung empfinden. Erklären Sie Ihrer Mutter oder Schwiegermutter sachlich, warum ihr Verhalten Sie belastet und setzen Sie auf ihr Verständnis.

Auch das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihren Schwiegereltern sowie das zwischen Ihrem Partner und Ihren Eltern ist relevant. Vielleicht liegen hier ungelöste Probleme vor und die Besuche werden von allen Parteien nur als lästige Pflicht empfunden. Dann ist die Atmosphäre ohnehin angespannt und es stellt sich die Frage, ob Sie oder Ihr Partner überhaupt zur jeweiligen Verwandtschaft mitkommen sollte. Auch ein jährlicher Wechsel der Besuche wäre eine Möglichkeit, um allen Beteiligten unnötige Hektik zu ersparen. Fahren Sie in diesem Jahr (mit oder ohne Ihren Partner) zu Ihren Eltern und im nächsten Jahr besuchen Sie die Eltern Ihres Partners. Oder er besucht sie allein. Reden Sie darüber und sprechen Sie von Vornherein ab, wie Sie es halten wollen. So können Sie sich vielleicht eine Menge Ärger ersparen.

Falls Sie Ihre perfekte Stress-Vermeidungsstrategie für Weihnachten noch nicht gefunden haben, machen Sie sich keine Sorgen. Weihnachten kommt jedes Jahr und Sie können immer weiter üben.

Paarberatung Paartherapie Bayern

Dieser Blog ist für alle Fragen zum Thema:

Beziehung, Liebe, Sex

Der Autor:

Ich mag Beziehung in aller ihrer Buntheit.

Auf dem “Laufenden” gehalten werden?

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